Hilfe! Ich bin süchtig!

Und DU auch!

Doch!

Darum:

Die Einteilung in Genussmittel, (verbotene) Droge und Medikament ist ziemlich unbrauchbar, wenn man Sucht als solche betrachtet. Es gibt ja auch stoff-ungebundene Süchte Fingernagelkauen, Fernsehen oder Popeln kann auch Sucht und sehr lästig sein.

Zwischen Sucht und Abhängigkeit besteht ein Unterschied. Eine Sucht kann man einfach lassen ohne größere Probleme, aber man will nicht, was auch nicht immer notwendig ist, zB. Gartenarbeit. Abhängigkeit ist dann, wenn man >ohne< nicht mehr kann. Ein schwerer Alkoholiker oder ein Heroin-Junkie ist während eines Entzugs mehrere Wochen lang komplett unfähig irgendwas zu tun. Bei einem Chrystelentzug hat man mehrere Monate Müdigkeitsprobleme, die ersten Tage schläft und isst man nur.
Bei Rauschdrogen wie Alkohol oder Cannabis kommt zur reinen Sucht noch die Wirkung auf das Bewusstsein dazu und bei manchen eine körperlich Gewöhnung. Und Alkohol ist da echt übel, auch im Mischkonsum.

Aufputschmittel und Alkohol
ist eine gefährliche Mischung. Das ist mir persönlich etwas zu viel des Guten, wesswegen ich solche Zustände zu vermeiden suche. Da ich ja eher der Chaostrinker bin und über die Grenze der Selbstkontrolle ohne weiteres hinaus trinken kann, ist das für mich gar nicht gut. Naja, Aufputschmittel sind eh nicht meine Sache und wenn ich hochprozentiges meide, liege ich vorher -selbstkontrolliert- im Bett. Ich bin recht stolz drauf sagen zu können: Ich bin bisher immer da aufgewacht wo ich auch aufwachen wollte.

Einmal wachte ich in Boxershorts und T-Shirt vor der zu gefallen Wohnungstür auf, aber das ist was anderes, da bin ich schlafgewandelt, durch vorherigen Speed und Alkohol Mischkonsum, Kiffen war obliogatorisch sicher auch dabei.

Cannabis ist für viele nach dem Miss- oder Gebrauch von Aufputschmitteln wichtig um zur Ruhe zu kommen und in den – manchmal lang ersehnten – Schlaf zu finden. Auch ein Grund für den schlechten Ruf Cannabis‘ ist, dass manche zwar zu geben zu kiffen, aber anderen Konsum verschweigen, wodurch natürlich die Folgen alle dem Cannabis zu geschrieben werden, obwohl noch anderes im Spiel war.

Alkohol und Cannabis ist auch nicht ohne! Das muss man üben und hat die ersten paar mal ziemlich sicher einen Absturz zur Folge. Es reicht schon, wenn man eigentlich nur leicht alkoholisiert ist. Zwei-Drei Bier ist eine vertretbare Partydosierung und man hat den Mut, mal an einem Joint zu ziehen. Und dann wirken die drei Bier schlagartig wie sechs Bier und der Cannabisrausch kommt noch dazu und dann die Bier wieder raus. Der/Die arme Niedergelschlagene hat jetzt mind. 2h mit Unwohlsein, Blutdruck und Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen, so dass man als Beteiligter etwas darauf achten sollte, dass der/die Trottel/in nicht noch an seiner/ihrer Kotze erstickt. Zitrusfrüchte haben sich als gutes Aufbaupräparat in so einem Fall schon oft bewährt, andere Früchte oder Vitaminhaltiges tut es auch.

Ich bin da etwas sauer, weil das ist ein weiterer Grund, warum manche Cannabis ablehnen, sie hatten beim erstmal so einen Absturz und der erste Eindruck prägt ja bekanntlich am meisten. Oft ist aber der Alkohol bzw. der Mischkonsum – und das als Anfänger – der Grund.

Vorher was rauchen und nachher was trinken, geht viel besser als
andersrum!

Bei Cannabis ist der Grad der Verträglichkeitsunterschiede und die individuellen Unterschiede des Rauscherlebens scheinbar größer als bei anderen Suchtstoffen.

Eigentlich kann man jede Droge nehmen, besonders die aus der Natur sind über viele Jahrhunderte getestet und da gibt es reichlich Abgebot. Die Probleme machen oft nur die Sucht und die Abhängigkeit. Wenn man bei der Droge weiß, worauf man sich einlässt, dann kann man sich darauf vorbereiten und entsprechend vorsichtig ran gehen. Besonders auf Halluzinogene sollte man sich seelisch und moralisch vorbereiten, es könnte skurril werden.

Ich kann von mir behaupten, über jede Droge, die ich bisher zu mir genommen habe, vorher ausreichend informiert gewesen zu sein. Naja, so schlimm ist es ja nicht bei mir. Ich bin halt leidenschaftlicher Kiffer und auch Tabak bereitet mir immer noch mehr Lust als Frust. Und nun mittlerweile auch leichter Alkoholiker und ja, auf einem langsam Pfad der Verschlechterung oder Besserung, das schwankt mit den Jahreszeiten. Eine richtige Alkoholabhängigkeit will ich eigentlich nicht haben. Das wusste ich schon mit 15, als ich eine kurze, akute Phase Alkoholismus auskostete, die mir aber keinen merklichen Entzug bereitete, da es nur über zwei Wochen ging.

Dann habe ich lange Zeit so gut wie nur selten getrunken und mich über eingie Jahre fast ausschließlich mit Cannabis begnügt, bis…ja…bis ich die Gitarre erfand. Und Jimmy Hendrix hörte. Da musste ich trinken. (Und da ich gerade in dem für geniale Ausnahmekünstler hochgefährlichem Alter 27 war, dachte ich, was soll da noch schief gehen?)

Und zwar

  • zur Lockerung der Finger,
  • Stärkung des Selbstvertrauens und
  • gegen die unglaublichen Schmerzen die man am Anfang dabei hat.
  • Wir haben ja direkt angefangen (sehr laut) zu proben und konnten eigentlich nüscht
  • und das musste man sich einfach auch schön saufen
  • und der soziale Druck war auch extrem.

Also theoretisch konnten wir schon was, aber praktisch nüscht.

Der Alkohol half
,

  • unser schlummerndes Talent blitzartig zu entfalten und
  • dann war auch Hornhaut darüber gewachsen und
  • die Schmerzen ließen nach.

Und so hatte sich der Alkohol, etwas aufdringlich nun, langsam in mein Leben geschlichen und später der Bandkumpane davon, natürlich nicht ohne ein Cannabisproblem davon zu tragen. Wer war blöder?

Eigentlich sollten mich meine Erfahrungen und Beobachtungen bei anderen davon abhalten, so dumm zu sein, dem Alkoholismus zu verfallen. Und es ist auch noch genug Gegenwehr in mir vorhanden und noch keine Akzeptanz eingetreten. Kein Bier vor vier, ist eine Regel die ich versuche einzuhalten, was mir auch recht gut gelingt, nur habe ich kaum Dinge im Leben die entsprechende Disziplin erfordern würden. Ich habe einfach gar keinen Bock drauf, den ganzen Tag besoffen zu sein.

Den Punkt, dass man sich einredet unbedingt >zu müssen< und dann ganz schlimm leidet daran, den habe ich mit Cannabis schon lange überwunden und dann macht man den Fehler mit anderen Süchten so schnell nicht nochmal, ich zumindest nicht.

Ich habe keinen Grund etwas zu leugnen.


Die Leugnung ist eigentlich
Standard bei einer Sucht, keiner gibt gern zu, dass er süchtig ist. Aber das sind wir alle. Wir sind Botenstoffjunkies, dauernd darauf bedacht, Dinge zu unternehmen, die uns ein angenehmes biochemisches Klima bereiten, welches uns angenehme oder intensive Empfindungen bereitet. Darum rasen manche mit dem Auto oder Motorrad schnell im die Kurven, Adrenalinjunkies. Andere joggen und holen sich ihre Endorphine. Ich mach es mir einfach, kiffe und hole mir so Endocannabinoidersatz, ohne müsste ich auch Sport machen.

Ich finde, man sollte grundsätzlich niemanden dafür verurteilen, dass wäre verlogen und manche sind halt machtsüchtig

Allerdings kann eine Abhängigkeit oder auch eine Sucht schlimme Folgen auch für andere haben, das wissen wir doch alle. Bei manchen Halluzinogenen (die gefährlichsten wachsen in den Vorgärten) oder schlechter Vorbereitung darauf, kann schon einmal reichen, um die Psyche nachhaltig schwer zu belasten, Halluzinogene haben aber kaum Sucht- oder Abhängigkeitspontenzial, was die Gefährdung stark von der Person und der Umgebung (Set und Setting) abhängig macht.

Sucht, Abhängigkeit und das Ego.

Ich habe doch keine Probleme, >DU< hast welche damit! Wieso? Na, weil das mein Problem ist!

Wenn man sich mal in einen schwer Abhängigen versetzt, tja…über viele Jahre hinweg gesoffen, gefixt oder was auch immer…nichts auf die Reihe gekriegt und nur "Stress" und (oft selbstverschuldet) "Pech" gehabt usw…wo soll da noch was herkommen?

Man flüchtet davor und baut wieder Mist, ein übler Teufelskreis. Dann will man seine "Würde und Stolz" nicht verlieren, obwohl schon kaum noch was davon übrig ist und dann versucht man noch zu verteidigen, was man schon längst nicht mehr hat und erreicht das genau Gegenteil. Das kann das Ego besonders gut! Es ist durchaus ein Grund für Stolz, wenn man eine Abhängikeit uberwunden hat und Würde und Selbstwergefühl kann man dann erst wieder richtig aufbauen.

Oft hat eine Anfälligkeit für Sucht mit Verlusten zu tun, oft wird Trauer oder Einsamkeit weggespühlt oder auch überspielt. Sucht hat sehr oft tiefere Ursachen. Immer wieder ähnliche Geschichten von Versagen, Schuld, Trauer, Liebe oder Gewalt.


Ego und Lüge gehen immer Hand in Hand.
Ein Leidensgenosse wird nicht belogen, zumindest nicht mehr, als man sich selbst belügt. Nur die, die nicht wollen, dass man "das macht" Die kriegen alles zu hören, nur nicht was wirklich los ist. Das ist manchmal wirklich traurig mit anzusehen, wie ein Mensch, der total am Boden ist, vor einem sitzt und mit seinem >Ego< jeden gut gemeinten Versuch abwehrt. Da habe ich schon einiges erleben dürfen. Das macht mich so ein bisschen anders, ich habe mein Ego schon sehr lange bearbeitet und unangenehme Teile verworfen und überwunden und habe mich dabei selbst gut beobachtet und kenne die Wirkungen und hinterhältigen Versuche zum Selbstbetrug.

Ohne Ego hat man keinen Grund
etwas zu leugenen.
So langsam hab ich mich ja dran gewöhnt und kann damit umgehen, wenn es zu viel wird: Rausschmiss: ‚komm wieder wenn du wieder klar kommst.‘
Dabei, diesen inneren Punkt zu überwinden, seine Probleme vor anderen zu zeigen oder sich selbst überhaupt erstmal enzugestehen, kann man nicht wirklich helfen. Das muss von jedem selbst kommen und ist unerlässlich zur erfolgreichen Überwindung einer Abhängigkeit. An so einem (falschen) Ego vorbei zu kommen ist echt nicht leicht und wenn man es bedrängt, werden manche gewalttätig. Oft treibt es nur noch mehr in die Sucht, wenn die Hilfsangebote zu aufdringlich werden und man erreicht das Gegenteil, wie so oft.

Ego hilft nicht gegen Ego!

Nunja, irgendwie hält mich da doch noch einiges davon ab, es zu sehr zu übertreiben, beschaffungskriminell zu werden oder dafür zu lügen und zu betrügen, so dass ich meinen Drogenkonsum noch vertreten kann. Cannabis macht mir da weniger Sorge als der Alkohol, einfach weil ich weiß, dass es nicht solche gravierenden Folgen haben kann und auch nach langer Zeit nicht so stark abhängig macht. Darum habe ich hier nur für Alkohol nach ausreden gesucht…und die gelegentlichen Pilzsessions verschwiegen.

Nun der Haftungsausschluss: Ich möchte niemanden dazu animieren oder gar aufforden Drogen zu konsumieren. Ich möchte damit nur meine Erfahrungen, meine Sichtweise und meinen Umgang damit beschreiben und nicht zu letzt, auch meine Selbstreflexion darüber stärken, Aufklärungsarbeit leisten und so etwas für mehr Toleranz, Bewusstsein und Verständnis beitragen, um >falsche< Vorurteile abzubauen. Es war mir auch als Verkäufer im Headshop (Fachgeschäft für Drogenutensilien) immer auch ein Anliegen Aufklärung und Suchtprävention zu betreiben, ohne Drogen und deren Konsum dabei zu verteufeln.

Es ist auch für mich schwer, mir eine klare Meinung bezüglich einer Änderung der Gesetze zu bilden, das Thema ist schwierig und es sind verschiedene Sichtweisen möglich. Allerdings halte ich ein striktes Verbot, vor allem bei so einer Ungleichbehandlung, nicht für das geeignete Mittel, negative Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft zu verhindern. Es hat sich gezeigt, dass auch härteste Strafen, den Handel nicht unterbinden können.

Das größte gesellschaftliche Problem des Verbotes, sehe ich darin, dass sich verdeckte Gegengesellschaften bilden und ein lukrativer Schwarzmarkt entsteht, der die organisierte Kriminalität zu einem guten Teil ausmacht bzw. finanziert.

Man hört oft, dass Cannabis eine "Einstiegsdroge" sei…nun, bei den gesetzlichen Bestimmungen ist Cannabis ein Einstieg in die Kriminalität, aber die allermeisten, haben ihre ersten Drogenerfahrungen hier zu Lande mit Coffein, Alkohol und/oder Nikotin. Daran wird deutlich, wie durch die Gesetzeslage, die öffentliche Wahrnehmung und die allgemeine Einschätzung des wirklichen Gefährdungspotenzial verschiedener Drogen und Suchtstoffe verzerrt werden.

Die schlimmsten Folgen, den größten Leidensdruck, durch das Kiffen, habe ich durch das Verbot bzw. dadurch bedingte Vorurteile von Medizinern.

bis dann…und denk mal drüber nach, du Junkie!… 🙂

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